Starbucks #1

Mir gegenüber sitzt ein Mann. 35 Jahre. Dunkler Anzug, grau meliertes Haar. Vor ihm auf dem Tisch liegt eine rosafarbene Zeitung, darauf ein dickes Taschenbuch. Auf seinen Oberschenkeln ruht ein schwarzer, ganz neu aussehender Laptop. Er ist total auf den Bildschirm konzentriert. Seine rechte Hand rutscht auf dem Touchpad herum, manchmal höre ich seinen Daumen den Knopf unter dem Touchpad drücken. Ohne die Tasse, um die sich seine linke Hand schließt, anzusehen, nippt er immer wieder schlürfend an dem Getränk. Danach sinkt sein Arm wieder auf die Armablage des Sessels.

Ich glaube nicht, dass er wirklich etwas schmeckt. Das Getränk scheint einfach Legitimation für diesen Sitzplatz zu sein, 

Eine Frau, etwas jünger als er, kommt an unseren Tisch. Er erhebt sich halb aus seinem Sessel, hält dabei sein Laptop mit einer Hand fest. Halbgebückt küsste er Sie von unten auf den Mund, etwas länger als Bruder und Schwester es täten. Sie sieht aus als hätte sie sich vor einer halben Stunde ihren Arztkittel ausgezogen. Weiße Hose, ein enganliegender, dünner, petrolfarbener Wollpulli. Still setzt sie sich neben ihn, in den dritten Stuhl am Tisch. Noch hat keiner der beiden etwas gesagt.

Auch die nächsten Minuten bleiben sie still. Ich sehe ihr dabei zu wie sie sich, umständlich mit einer Hand, die Zeitung unter dem Buch rausholt da kein Platz ist um ihr Getränk abzustellen.

Er: “Ich hab dein Buch mitgebracht”

Sie: “Hmmmmm”

Keiner der beiden hat aufgesehen. Möglicherweise hat er nur mit seinem Bildschirm und sie mit der Zeitung geredet.

Wieder passiert 5 Minuten nichts. Nur ab und zu trinken sie aus ihren Tassen. 

Dann stehen sie, wie auf ein für mich unsichtbares Zeichen, gleichzeitig auf.

Die Zeitung liegt noch auf dem Tisch als sie gemeinsam gehen. Das Buch hat er in der Hand.

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